Sex-Empfehlungen, amtlich

Wie haben Sie den Valentinstag verbracht? Ich hoffe doch, in trauter Zweisamkeit. Vielleicht waren Sie mit ihrer/ihrem Liebsten in Fifty Shades of Grey und werden sich am Montag spontan freinehmen, um gemeinsam im Baumarkt das Angebot an Kabelbindern, Seilen und Klebebändern zu sichten. Diese Utensilien sollen ja, schenkt man den Meldungen der vergangenen Tage Glaube, eine besonders anregend-inspirierende Wirkung haben.

In Thailand hat man ganz andere Sorgen. Dort riefen das Gesundheitsministerium und das Amt zur Förderung der moralischen Werte (keine Erfindung des Chronisten, das gibt es wirklich!) dazu auf, den Feiertag für Verliebte nicht zum einvernehmlichen Beischlaf zu nutzen. Stattdessen sollten die Pärchen „etwas Schönes kochen oder einen Tempel besuchen.“ Grund seien die vielen ungewollten Teenager-Schwangerschaften und die steigende Anzahl von Geschlechtskrankheiten. Diese Meldung rauschte durch den weltweiten Medienwald und landete sohin auch in der Kernölbotschafter-Redaktion.

Wie so oft ist das Ansinnen ehrenwert, wenn es amtlich zugeht; die Mittel führen jedoch nicht immer zum gewünschten Ergebnis. In diesem Fall könnte der Schuss sogar geradewegs nach hinten losgehen: Die vorgeschlagenen Alternativen zum Sex am Valentinstag dünken bei genauerer Betrachtung noch anregender als das Angebot vonObi, Baumax und Hornbach zusammen.

Vor langer Zeit (das klingt ein bisschen weniger schlimm als das ehrliche „vor mehr als zwei Jahrzehnten“) saß ich mit einer von mir damals Angebeteten in einer leeren Kirche. Die halbschattige Stille um uns, ihr Parfüm, das wie in Stein gemeißelte Profil – alles empfand der Jüngling in hohem Maße anregend. Wenn ich damals nicht schon in die Guter-Freund-Falle getappt wäre … wer weiß, wohin uns der Weg nach dem Kirchenbesuch geführt hätte.

„Etwas Schönes kochen“: Von wem stammt dieser Vorschlag, bitteschön? Von einem asketischen Mönch mit Altersdemenz? Klar, wenn eine Schale ungesalzener Reis mit Grünem Tee den höchsten Genuss bedeutet und dazu die eigene Jugend längst vom Nebel des Vergessens verschluckt wurde, kann die Fantasie schon einen Knick bekommen. 99,9 Prozent der liebesfähigen Weltbevölkerung wissen hingegen, dass gemeinsames Kochen per Definition etwas Sinnliches und deshalb zur Koitusanbahnung überaus geeignet ist. Geschichten darüber, wie jemand vom anderen Geschlecht eingekocht wurde oder dieses selbst eingekocht hat, sind sowohl Legende als auch Legion. Wie soll man denn eine Stunde in einer kleinen Küche Schulter an Schulter stehen, eine weitere Stunde Schenkel an Schenkel sitzen und ein feines Valentinstagspapperl verspeisen, ohne dabei scharf wie eine Chilischote zu werden? Wer jetzt noch ein Aphrodisiakum braucht, der möge seinen Weg lieber in der Nachfolge des Mönchs suchen.

In gut neun Monaten wird die Welt wissen, ob die Anregungen des Amtes zur Förderung der moralischen Werte (ich musste es noch einmal anbringen!) gewirkt haben. Ich verdanke ihnen jedenfalls die Idee, einen Kochkurs zu machen. Mein mangelndes Können auf diesem Gebiet zwang mich bislang zu Restauranteinladungen, wo die Sache mit der Anbahnung noch nicht wirklich ideal gelaufen ist.

Vermutlich wegen der großen Küchen.