Wenn Österreich ins Finale kommt, …
Der WM-Blog des Kernölbotschafters

Nüsse oder Eier? (18.6.2026)
Eine riesige Bar in einem riesigen Flughafen, irgendwo in den riesigen USA. Ein großer Mann mit Sonnenbrille und tief ins Gesicht gezogener Baseball-Kappe sitzt reglos auf einem Hocker und blättert durch die Getränkekarte. Aber er kann sich nicht entscheiden; der Barkeeper war schon dreimal bei ihm, doch er hat ihn stets mit einem unwilligen Brummen weggeschickt.
Plötzlich tippt ihm jemand von hinten auf die Schulter. Der Mann fährt herum – und blickt in die grinsenden Gesichter von Harry Kane und Kylian Mbappé. Daneben, aber einen Stock höher, mahlen die breiten Kieferknochen von Erling Haaland, von unten strahlen ihn die dunklen Augen von Lionel Messi an.
„Was dagegen, wenn wir uns dazusetzen, Cristiano?“, fragt der Engländer pro forma und nimmt Platz. Die anderen drei folgen seinem Beispiel.
„Wie habt ihr mich bloß erkannt?“, wundert sich Ronaldo.
„Niemand verkleidet sich so dämlich wie du“, meint Haaland.
Mbappé nickt. „RC6-T-Shirt, Österreich-Kappe und Prada-Sonnenbrille? Deutlicher geht’s nicht.“
„Außerdem zeigt niemand außer dir so offensiv, dass er nicht tätowiert ist“, fügt Messi an.
„Und nicht einmal der englische König sitzt so steif an der Bar“, ergänzt Kane.
„Aber warum trinkst du nichts?“ Haaland deutet auf die polierte Leere vor Ronaldo, der darauf nur einen tiefen Seufzer hören lässt.
„Ich will mich ja besaufen, aber ich weiß nicht, womit.“
„Nichts leichter als das.“ Mbappé schnippt laut mit den Fingern. „Barmann, Laufschritt! Eine Runde vom teuersten französischen Champagner! Und die zweite Runde gleich vorbereiten!“
Sämtliche Augenbrauen rundum wandern in die Höhe.
„Was?“, kommentiert der Franzose schulterzuckend. „Schließlich habe ich zwei Hütten gemacht!“
„Ach so.“ – „Ist klar.“ – „Ja, logisch.“ Nur Ronaldo sagt nichts.
Sie genießen den servierten Perlwein, loben Präsenz, Fruchtnoten, Abgang. Dann hebt Kane die Hand und ruft laut: „Pale Ale für alle! Das erste auf den König und meinen Elfer, das zweite auf mein wunderbares Kopfballtor!“
Sie nicken verstehend, prosten einander zu, trinken. Danach meldet sich Haaland.
„Es wird Zeit für ein bisschen Lebenswasser! Zwei Runden Aquavit, aber nur das beste!
Na klar, auch der Hüne hat schon seinen Doppelpack, denkt Ronaldo frustriert, kippt aber brav den Schnaps. Wenigstens ist er danach schon so angesäuselt, dass der Schmerz über seine eigene Torlosigkeit nachlässt. Da fällt ihm ein, dass Lionel Messi sogar dreimal genetzt hat.
Was der jetzt wohl bestellt?, fragt er sich grübelnd. Während die anderen in die Schilderungen ihrer Heldentaten vertieft sind, googelt Ronaldo heimlich das Nationalgetränk Argentiniens.
Eine Mischung aus Fernet Branca und Cola??? Schon beim Gedanken daran wird ihm schlecht – drei Gläser würde er nicht überleben. Schwerfällig erhebt sich Ronaldo.
„Wo willst du hin?“ Messi richtet sich zu voller Größe auf – aber er weiß selbst, Einschüchterung sieht anders aus. Deshalb lässt er zusätzlich seine Augen funkeln. „Ich bin noch dran!“
„Ja, aber … wir brauchen dringend ein paar Nüsse.“
Ronaldo geht schwankend davon. Der kleine Argentinier will ihm nach, aber Kane schüttelt den Kopf. „Lass ihn“, sagt er ruhig. „Gegen Torneid sind Nüsse ohnehin wirkungslos.“
„Eier würden helfen“, weiß Mbappé. „Am besten hartgekochte.“
„Vielleicht findet er seine eigenen bis zum nächsten Spiel“, sinniert Haaland und nickt danach Messi zu. „Lionel, wir sind am Verdursten!“

Trinkpausen? Da geht noch mehr! (20.6.2026)
Seit der Einführung verpflichteter Trinkpausen während der WM-Spiele werden selbige heißer diskutiert, als die Thermometer in den Stadien anzeigen. Für die Einen bremsen sie den Spielfluss, für die Anderen steigern sie den Harndrang. Spieler nervt das zusätzliche Trainergeschrei, was vice versa zu flehentlichen Fragen führt, warum niemand zuhört, wenn die Taktik schon nach der ersten Hälfte der ersten Hälfte dringend angepasst werden muss.
Kein Geheimnis ist hingegen, dass zusätzliche Pausen Platz für zusätzliche Werbung bieten. Bekanntlich kennt die FIFA in puncto Geldscheffelung nicht den geringsten Schinierer – sie hat die Ticketpreise kräftig raufgezogen, verschnalzt Grüße auf Anzeigentafeln für läppische 79 Dollar und schneidet sogar beim offiziell erlaubten Wiederverkauf der eigenen Karten mit, indem sie 15% vom Verkäufer und 15% vom Käufer einhebt. Man könnte das infantile Gier nennen, aber einen Gianni Infantino kratzt so etwas nicht.
Nicht allen Fans gefällt das. Der Kernölbotschafter aber findet diese Kapitalismusdenke in Reinkultur super und meint sogar, da geht noch mehr. Warum nur zwei Trinkpausen? Und warum haben die keine Namen oder wenigstens Widmungen, die man zusätzlich so nebenbei verscherbeln kann? Weil die letzten Nachtspiele ohnehin mehr Schlaftabletten als Aufregern glichen, hat der KB zeitgleich ein paar Ideen entwickelt, mit denen sich die Geldschaufelräder des weltgrößten Sportverbandes noch um einiges schneller drehen würden.
· Esspausen: Der Mensch lebt bekanntlich nicht nur von Wasser und isotonischen Safterln allein. Sohin sollte eine Esspause pro Halbzeit eingeführt werden, damit zwischen Anpfiff und Schlusspfiff ein feines 3-Gänge-Menü Platz hat. Idealer Namensgeber wäre der Brasilianer Ailton, dem während seiner aktiven Zeit in Deutschland der liebevolle Spitzname Kugelblitz verliehen wurde.
· Rauchpausen: Ailton spielte unter anderem bei Werder Bremen, was den KB zur nächsten Unterbrechungsgelegenheit führt. Der norddeutsche Verein war auch die Heimat von Mario Basler, der seine Vorliebe für ein paar tiefe Lungenzüge vor dem Spiel niemals verheimlicht hat. Die Vorzüge liegen auf der Hand: Nerven, Herz und Hirn beruhigen sich, außerdem kann man ohne Stress die WaGs (Wifes and Girlfriends) der Gegner abchecken. Und wenn der persönliche Manager ein bisserl geschickt ist, holt er am Verhandlungstisch noch ein paar Milliönchen heraus – Rauchpausen gehören bekanntlich nicht zur Arbeitszeit.
· Schimpfpausen: Unbedingt nach Didi Kühbauer benennen, der den LASK zum österreichischen Meister und Cupsieger gecoacht hat. Niemand legt sich wienerischer mit Schiedsrichtern an oder nervt konstanter deren Assistenten am Spielfeldrand. Weil unterdrückter Grant auf direktem Weg zu Magengeschwüren führt, sollten verbale Kraftmeiereien von Trainerseite erlaubt und im O-Ton übertragen werden. Selbstredend verknüpft mit der Erlaubnis für die Spielleiter, zurückzuschimpfen. In einer späteren Ausbaustufe ist auch die Einbindung der Zuschauer möglich, Motto: „Schiri, wir wissen, wo dein Auto steht!“ Macht aber nur Sinn, wenn die Fanchöre wirklich was drauf haben.
Diese Kreativschübe würden nicht nur den Vereinen und Verbänden mehr Geld bringen. Durch sie wäre der gesamte Sport griffiger, unterhaltsamer und lebensnäher für alle. Auch für die Spieler, die ihre Zweit- und Drittbegabungen nicht mehr bis nach der Karriere aufsparen müssten. Wie sagte der legendäre George Best über die Verwendung seines mit Fußball erlangten Reichtums so schön? „Ich habe viel Geld für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausgegeben. Den Rest habe ich einfach verprasst.“
In In diesem Zitat schlummern noch viele Möglichkeiten zur gewinnbringenden Vermarktung der wichtigsten Nebensache der Welt. Und ganz nebenbei ist der Namensgeber für die Trinkpausen auch gefunden.

Manuel, der Magier (22.6.2026)
Die Tormannfrage. Nichts wurde vor der WM bei unseren Lieblingsnachbarn heftiger diskutiert. Wer soll für Deutschland im Tor stehen? Die Ausgangslage war einigermaßen pikant: Manuel Neuer, Welttorhüter und jahrelang unangefochtene Nummer 1, hatte nach der EM 2024 seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt. Das machte Oliver Baumann zu seinem Nachfolger, der diese Rolle stabil – um ein Lieblingswort jener Generation zu verwenden, für die heutzutage alles stabil ist – ausgefüllt hat. Je näher die WM jedoch rückte, desto lauter wurden Stimmen, die eine Rückkehr Neuers, mittlerweile stabile 40 Jahre alt, forderten. Schließlich gab Bundestrainer Nagelsmann dem vielseitigen Druck nach, der wohl auch dem Wunsch des Weltmeisters von 2014 entsprach und nominierte diesen als Stammkraft für das Turnier in Nordamerika. Oliver Baumann beschied sich – wie zu vernehmen war, ohne Widerrede – mit der Rolle des Ersatzmannes.
Nun hat Deutschland zweimal mit Manuel Neuer gespielt und ebenso oft gewonnen. Der Tormann stand dabei nie im Mittelpunkt – und genau das enthüllte dem Kernölbotschafter sein wahres Geheimnis: Neuer hat magische Kräfte!
Bei beiden Toren, die er bekommen hat, war er chancenlos. Gegen Curacao war es ein abgefälschter Weitschuss, gegen die Elfenbeinküste ein Nachschuss nach einem Abpraller. In beiden Fällen war Neuer maximal angepisst und entschied deshalb, seine magischen Kräfte einzusetzen. Nur Zuseher, die ganz genau aufgepasst haben, wurden Zeugen des Zaubers.
Manuel Neuer hat schlicht und einfach das eigene Tor verschwinden lassen! Sowohl die sympathischen südamerikanischen Inselkicker als auch die afrikanischen Ballkünstler spielten gefällig weiter, fanden jedoch das gegnerische Tor nicht mehr. Besonders deutlich wurde das bei einem Konter der Elfenbeinküste: Der Stürmer tauchte völlig frei vor Neuer auf, nahm Maß – doch das Tor war weg! Und in der nächsten Sekunde auch der Ball. Kurz war der Stürmer irritiert, dann trottete er mit einem Kopfschütteln wieder nach hinten.
Dass Deutschland im zweiten Spiel trotz Rückstandes noch den Sieg erringen würde, hat schon vor Jahrzehnten der Engländer Gary Lineker geweissagt. „Fußball ist ein einfaches Spiel. 22 Männer jagen 90 Minuten einem Ball nach, und am Ende gewinnen immer die Deutschen.“ Das bewahrheitete sich auch diesmal.
Sohin ist es völlig logisch, dass Manuel Neuer deutscher Stammtorhüter ist. Und solange er seinen Zauber wirken kann, wird er es auch bleiben.



















































